Gastbeitrag: Reflexionen einer anderen Kanalratte

Der Trainer, alias der Erklärbär erzählt:
Der Laufmacho, oder die Wiedergeburt der Steinzeitlaufratte

Es ist Samstagmittag. Graues, kühles Wetter, aber nach dem gestrigen wärmsten Tag dieses Sommers ein guter Tag zum Laufen.
Mein Rücken schmerzt mal wieder besonders und ich habe eigentlich keine Lust, aber wann wenn nicht heute …?

I-Phonehörer ins Ohr gesteckt, Uhr angeschmissen und losgelaufen.

Mist, mein Rücken schmerzt (ich wiederhole mich; eine meiner Macken), die Beine sind schwer. Der Trainer (Aliasname: Erklärbär) läuft die Umleitung, weil der übliche Weg über den Kanal  bis zum zweiten September gesperrt ist. In Berlin sind zur Zeit nicht mal die Fußwege von dem Baustellenwahn ausgenommen. Die Leonorenstr. stinkt, was einem auch nur beim Laufen so krass auffällt.
Endlich am Kanal angekommen, spult der Trainer in gequältem Trap seinen Lauf bis zur  dritten Brücke ab. Das Zollhaus soll es heute einfach nicht sein.
Auf dem Rückweg hadert der Trainer mit seinem körperlichen Zustand, während er die erste Brücke unterquert. Auf der anderen Seite angekommen, bemerkt der Trainer im Augenwinkel einen anderen Läufer. Er trägt standesgemäße Bekleidung, ist einen halben Kopf kleiner, dürfte aber  5 – l0 Kilogramm schwerer sein, also keine Gefahr. Der wird doch nicht……  Doch er wird: Nach ungefähr hundert Metern läuft er an mir vorbei! SO NICHT MEIN FREUND! Die Steinzeitlaufratte im Trainer erwacht. Gefahr (fürs Ego) droht, Adrenalin ausgeschütten und  dann:

Beine: LOCKER
Kopf: KAMPF

Erst mal dranbleiben und schauen, was der Kugclblitz so drauf hat. Der Trainer bleibt dran und fiihlt  sich gut. Am Hubilandeplatz (Krankenhaus) bemerkt dcr Kugelblitz das der Trainer dran bleibt und zieht etwas an. FRECH !!!
Das pariert der Trainer locker und läuft jetzt neben ihm. Ich schaue lächelnd zum Kugelblitz rüber und atme natürlich nur durch die Nase. Wie 1999 Lance Armstrong und Jan Ulrich auf dem Weg nach Alp d Huez. Er lächelt nicht zurück und schaut nur verstohlen aus dem Augenwinkel.  Der Trainer sieht es: SCHWÄCHE
Was hat mir MEIN Trainer mal gesagt (jeder hat einen Trainer, mein Trainer Andi sei hier lobend erwähnt): Angreifen, sprich Tempoverschärfung immer am Berg!

Vor uns liegt der Anstieg zur Birkbuschstr. Der Zufallsgenerator in meinem I-Phone wechselt von Depeche Mode auf Metallica. Das kann kein Zufall sein, dass ist der Steinzeitinstinkt, GENIAL. Der Trainer zieht an, nur nicht umdrehen, das zeigt Schwäche. Der Trainer rennt wie besessen. Der Puls: Anschlag; Beine: brennen; nicht umdrehen; der Zebrastreifen: nicht umdrehen; das Anne-Frank-Heim: nicht umdrehen. An der Einbiegung zur Leonorenstr. traut sich der Trainer einen verstohlenen Blick über die Schulter zu machen.  Der Kugelblitz ist nicht mehr da, meine Rückenschmerzen, nicht mehr da. Dafür schlägt mein Herz bis zum Hals, aber der Trainer ist glücklich, der Sinn des Laufens: Glücklich sein!

Dafür ist der Trainer Kanalratte und eben manchmal auch die MACHOSTEINZEITLAUFRATTE.

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